Brownfield-Automatisierung
Ein Brownfield-Standort ist eine bestehende Anlage, deren Prozesse und Layout nicht für neue Automatisierungslösungen ausgelegt wurden. Die meisten Lager und Fabriken sind Brownfield-Standorte. Wechselnde Layouts, Mischverkehr, unebene Böden und fehlende Möglichkeiten für aufwendige Baumaßnahmen sind genau die Bedingungen, für die der J1600 ausgelegt ist.
Konstruktionsbedingt ohne Infrastruktur
Für den J1600 muss nichts gebaut, montiert oder in den Boden eingelassen werden:
- keine Schienen, Leitdrähte, Magnete oder Reflektoren;
- keine baulichen Veränderungen;
- WLAN für den Grundbetrieb optional;
- keine zwingende Integration in ein Lagerverwaltungssystem, einen Flottenmanager oder die IT;
- bei Lieferung einsatzbereit, die typische Einrichtung dauert je nach Umfang einige Stunden bis zu einem Tag.
Die Navigation basiert auf 3D LiDAR SLAM und einem industriellen NVIDIA-Jetson-KI-Computer. Während das Bedienpersonal den J1600 fährt, erstellt und aktualisiert er fortlaufend eine dreidimensionale Karte. Anschließend bestimmt er seine Position und plant selbstständig Routen zu gespeicherten Zielpositionen. Die 3D-Kartierung ist darauf ausgelegt, in komplexen oder wechselnden Umgebungen eine höhere Präzision und Zuverlässigkeit als herkömmliche 2D-Navigation zu bieten. Dabei erfasst sie Umgebungsstrukturen bis in Höhen von 70 m über dem Fahrzeug.
Betrieb bei wechselndem Layout
Flächen in Brownfield-Anlagen verändern sich: Paletten stehen plötzlich mitten im Gang, Regale werden versetzt und saisonale Bereiche werden geöffnet und geschlossen. Der J1600 bewältigt dies auf drei Arten:
- Er umfährt Hindernisse. Das Umgebungsmodell wird fortlaufend aktualisiert. Der Roboter umfährt alles, was den Weg blockiert — siehe Dynamische Routenänderungen.
- Das Bedienpersonal lernt Routen in wenigen Minuten neu ein. Eine versetzte Absetzposition wird aktualisiert, indem das Bedienpersonal dorthin fährt und auf Position speichern tippt — ohne Automatisierungsfachkraft und ohne Neuprogrammierungsprojekt. Siehe Temporäre Position einrichten.
- Ein Mensch bleibt stets eingebunden. Situationen, die die Automatisierung nicht eigenständig beurteilen darf — etwa ein blockierter Gang, eine beschädigte Palette oder ein provisorischer Lagerplatz — werden durch sofortige manuelle Übernahme bewältigt. Siehe Umgang mit Ausnahmen und unregelmäßigen Lasten.
Welche Anforderungen der Boden weiterhin erfüllen muss
Die Toleranz gegenüber den Bedingungen in Brownfield-Anlagen hat messbare Grenzen. Für den autonomen Betrieb gelten folgende Anforderungen:
| Anforderung | Grenzwert |
|---|---|
| Steigfähigkeit, Automatikmodus | 0 % — nur ebene Böden |
| Steigfähigkeit, manueller Modus | 5 % ohne Last / 3 % bei Volllast |
| Maximal überfahrbare Erhebung | 25 mm (1 in) |
| Maximal überfahrbarer Spalt | 20 mm (0,8 in) |
| Bodenebenheit/Höhengenauigkeit | TR34 FM3 / FF 25, FL 20 |
| Temperatur | 5–40 °C (41–104 °F), Innenbereich |
| Luftfeuchtigkeit | 20–80 %, nicht kondensierend |
| Schutzart | IP21 |
Das Unternehmen prüft bewusst unter anspruchsvollen Bedingungen. Die Test- und Demonstrationsanlage in Kopenhagen verfügt über gezielt unebene, praxisnahe Bodenflächen. Für den Einsatz sind die oben genannten Grenzwerte dennoch verbindlich. Vollständige Angaben: Technische Daten des J1600.
Für den schrittweisen Ausbau ausgelegt
Die Brownfield-Automatisierung mit dem J1600 beginnt mit einem Materialfluss — häufig mit einer einzelnen Arbeitszelle, Wareneingangsspur oder Transportstrecke vom Lager zur Produktion — und wird Position für Position erweitert. Erweiterte Automatisierungsfunktionen wie automatisches Laden, come-to-me, Flottenmanagement über VDA 5050 und APIs stehen bei einer Erweiterung der Anwendung zur Verfügung, sind jedoch nicht vom ersten Tag an erforderlich. Siehe J1600-Übersicht.